This site uses cookies to provide a streamlined experience. To learn more see our current privacy policy.
We See Things
Differently

Welcome to The Stream: Allison+Partners’ content hub that features the latest news and trends making the biggest waves in media and marketing.

MARCH 7, 2019 //     

Wie man wieder lernen kann, sich zu konzentrieren

In einer Gesellschaft, in der man immer erreichbar ist, erreicht man eines immer schwieriger: ungestörte Konzentration. Dabei ist Konzentration besonders wichtig, um interessante Projekte voranzubringen – also ein essentieller Teil kreativer Berufe wie zum Beispiel in Kommunikations-Agenturen. Doch wie schafft man es, Handy-Nachrichten, eine stete E-Mail-Flut und zuweilen auch Kollegen auszublenden, ums sich voll und ganz seinen Aufgaben zu widmen?

Genau mit diesem Thema beschäftigt sich Cal Newport in seinem Buch Deep Work. Sein Werk ist eine Erleuchtung für alle, die sich in ihrem Beruf ständig abgelenkt fühlen. Ich habe die für mich interessantesten Punkte gesammelt und berichte hier von meinen Erfahrungen:

“Deep Work” und “Shallow Work”

Cal Newport beginnt, indem er eine klare Unterscheidung zwischen „Deep Work“ – also Arbeit, die tiefgehende Konzentration benötigt – und „Shallow Work“ zieht. Shallow Work sind vor allem administrative Tätigkeiten, E-Mail-Kommunikation, das Führen von Listen, Telefonanrufe, Meetings und viele weitere kleine Aufgaben, die gemacht werden müssen, die man aber auch nebenbei erledigen kann.

Deep-Work-Aufgaben sind dagegen nicht dafür gemacht, schnell und nur nebenher erledigt zu werden. Hier geht es um das Verfassen von Texten, das Lösen von schwierigen und komplexen Problemen, Erarbeiten von Konzepten oder Strategien oder das Finden von kreativen Lösungen.

Für diese Tätigkeiten braucht man einen fokussierten Geist und möglichst wenig Ablenkung. Denn es ist bewiesen: Wer aus einer Tätigkeit abgelenkt wird, braucht bis zu 20 Minuten, um sich wieder auf seine eigentliche Tätigkeit zu konzentrieren.

Eine Balance finden

Beide Tätigkeitsarten – Deep Work und Shallow Work – sind wichtig und leisten einen Beitrag für Unternehmen – je nachdem in welcher Branche man tätig ist. Cal Newport favorisiert hier eindeutig Deep Work als die Art von Arbeit, die am wertvollsten ist und die ein Unternehmen oder eine einzelne Person zum Erfolg führen kann.

In der Kommunikationsbranche ist dieses Urteil vielleicht nicht so leicht zu fällen. Unbestreitbar sind wirklich gute Ideen für eine Business-Strategie oder ein sorgfältig ausgearbeitetes PR-Programm für einen Neukunden wertvoll für eine PR-Agentur. Sie gehören zu genau der Art der oft zitierten 20 Prozent der Arbeit, die 80 Prozent des Gewinns ausmachen.

Doch auch „Shallow Work“ wie die Kontaktpflege mit Journalisten oder das rasche Reagieren auf bestimmte Anfragen sind essentieller Teil der Arbeit in Kommunikationsagenturen.

Ist „Deep Work“ also nur etwas für Wissenschaftler im Elfenbein-Turm oder Programmierer, die nie mit der Außenwelt kommunizieren müssen? Ich denke nicht. Wir alle profitieren von einer guten Konzentrationsfähigkeit, denn auch in der PR geht es um gute Lösungen, gute Texte und vor allem um Effizienz.

Wer schwierige Aufgaben lösen kann, ohne sich oft ablenken zu lassen, der ist schneller am Ziel, schiebt große Aufgaben weniger vor sich her. Und diese Effizienz überträgt sich im Endeffekt auf alle Bereiche der Arbeit.

Konzentration ist Übungssache

Doch wie geht man an dieses schwer zu greifende Konzept der tiefen Konzentration heran? Vor allem ist Konzentration eine Sache der Übung. Und die ist uns in unserem Always-On-Zeitalter teilweise etwas abhandengekommen – vor allem durch das Smartphone und unsere schlechte Impuls-Kontrolle bei Instant-Messages oder endlosen YouTube-Feeds.

Dabei ist es nicht nur die Zeit, die ein Handy frisst und uns von wichtigerer Arbeit ablenkt. Durch die Gewohnheit, ständig das Smartphone zu prüfen und nach Neuigkeiten Ausschau zu halten, verlernen wir, uns längere Zeit auf ein bestimmtes Thema zu konzentrieren. Das muss nicht so extrem ausfallen wie dieser Journalist, der verlernt hatte, wie man Bücher liest. Doch das Beispiel zeigt, wie gravierend sich das harmlose Smartphone auf unser Leben auswirken kann – wenn wir nicht verantwortungsvoll damit umgehen.

Weniger Smartphone – mehr White Noise

Auch wenn ich selbst nie so sehr an meinem Handy hing, habe ich nach der Lektüre des Buchs meinen Smartphone-Konsum rigoros eingeschränkt. Mein Ziel ist es, im Jahr 2019 nur 100 Stunden im Internet zu verbringen. (ein Update zum Erfolg dieses Plans gibt es Anfang 2020) Schon nach nur einer Woche mit stark eingeschränktem Smartphone-Konsum und dafür mehr Bücher in der S-Bahn habe ich gemerkt, wie viel freier und klarer ich denken kann. Plötzlich habe fallen mir viel mehr interessante Wörter und Formulierungen ein, die ich in Gesprächen und Texten verwenden kann. Und ich fühle mich fast wie befreit. Diesen Schritt kann ich nur empfehlen, selbst wenn er auf den ersten Blick furchteinflößend wirkt.

Auch ein Tool, das die verbrachten Minuten und Stunden am Smartphone zählt, kann sehr hilfreich sein. Es hält einem schonungslos den Spiegel vor, wie lange man eigentlich pro Tag in den kleinen Bildschirm starrt. Meist hilft bereits allein das Wissen, dass es einen „Zähler“ für die Smartphone-Zeit gibt, sie nicht mehr so schnell zerrinnen zu lassen. Zusätzlich kann man bei vielen Apps auch ein Warn-Pop-Up einstellen, das nach einer bestimmten Zeit am Handy Alarm schlägt.

Oft lenken wir uns selbst ab

Doch es ist nicht nur das Handy, das unseren Drang nach Neuigkeiten schamlos ausnutzt. Vielleicht haben Sie ihr Smartphone gut im Griff, vergewissern sich aber in etwas zu regelmäßigen Abständen, ob nicht eine neue E-Mail im Postfach angekommen ist. Oder Sie suchen jede Möglichkeit, im Office mit anderen ins Gespräch zu kommen oder klinken sich in jede Unterhaltung ein.

Deshalb: Am Anfang steht eine Evaluation, was genau einen ablenkt und wie oft (vielleicht testen Sie auch einfach einmal, wie lange sie lesen können, ohne an ihr Smartphone zu denken). Dann kann man langsam anfangen, sich Konzentrationsphasen anzutrainieren. Denn niemand kann von heute auf morgen seine Arbeitsgewohnheiten komplett umstellen. Kleinere Einheiten (wie zum Beispiel bei der Pomodoro-Technik) sind ein guter Anfang, um sich die Konzentration zurückzuerobern.

Klare Ziele – klare Zeitrahmen

Zu Beginn ist es wichtig, für sich selbst abzustecken:

– Wie viel meiner Arbeitszeit fällt in „Deep Work“-Aufgabengebiete. Wie viel davon brauche ich, um spontan die „seichteren“ Aufgaben zu erledigen.

– Wenn ich Zeit für Deep Work brauche, wann kann ich diese am besten einplanen? Wann werde ich am wenigsten gestört oder habe ich die meiste Energie?

Oft wird vorgeschlagen, man solle am besten um fünf Uhr morgens aufstehen und vor allen anderen im Büro sein, um dort in Ruhe arbeiten zu können. Für mich persönlich – als Nachteule in einem Büro voller Frühaufsteher – ist das nicht ganz praktikabel. Dafür habe ich die späten Stunden für mich allein. Nach Feierabend meiner Kollegen nutze ich die abendliche Ruhe für das Verfassen von Texten.

– Am leichtesten fällt es, wenn man sich klare zeitliche Grenzen setzt, und für den Konzentrationszeitraum ein konkretes Arbeitsziel verfolgt

– Ein Ritual hilft, sich auf das konzentrierte Arbeiten einzustellen

Wenn man sich in den Tunnel begibt, sollte man auch immer ein Licht am Ende dieses Tunnels im Blick haben. Das heißt: Ich gebe mir 1,5 Stunden, von 17:00 Uhr bis 18:30 Uhr, um diesen Blog-Post fertigzuschreiben. Zu einer Konzentrationsphase gehört für mich eine gefüllte Karaffe mit Wasser, ein tiefer Atemzug, gute Kopfhörer und ASMR.

Konzentration sollte nicht die Ausnahme sein

Dieser Punkt verlang mehr als nur ein paar Übungen. Konzentriert arbeiten – und das über lange Zeit hinweg – ist nicht leicht. Ganz im Gegenteil: Es ist unbequem, sich mit anstrengenden Problemen zu befassen oder komplexe Fachartikel zu schreiben. Die gute Nachricht ist: Je mehr wir es üben, umso leichter geht es uns von der Hand.

Cal Newport plädiert dafür, dass Konzentration nicht die Ausnahme, sondern die Regel sein sollte. Je mehr wir uns daran gewöhnen, umso leichter fällt es uns. Deshalb sollte auch unsere Freizeit nicht nur aus seelenlosem Bildschirm-Starren bestehen. Denn dann verlernen wir alles, was wir uns mühsam während der Arbeitszeit wieder angeeignet haben, wieder.

Was also tun? Wir hätten da ein paar Ideen.

Konzentration – ja, es gibt noch Hoffnung

Cal Newport hat ein wichtiges Buch zu einer auch heute noch wertvollen Fähigkeit geschrieben: Konzentration. Ist es wirklich so, dass wir uns – dank Handy, E-Mails etc. – nicht mehr konzentrieren können? Ja nun nein: Konzentration ist heute vielleicht schwieriger, weil man leichter gestört oder unterbrochen wird. Aber damit können wir lernen umzugehen.

Wir Menschen sind so zäh und eigenwillig – wenn wir wirklich wollen, können wir uns die Konzentration auch wieder antrainieren. Ich habe nur ein paar kleine Dinge geändert und merke Fortschritte. Der erste Schritt ist gar nicht so schwer – aber effektiv. Also, auf geht’s!

The Stream

Articles + Opinions Delivered Directly to your Inbox.

Sign Up today!

de_en

Wenn zwei großartige Agenturen eine Partnerschaft eingehen, wird das Ergebnis sogar noch besser als Schokolade.

OneChocolate ist jetzt Teil von Allison+Partners.