This site uses cookies to provide a streamlined experience. To learn more see our current privacy policy.
 
5 November 2021  //       //  Opinion

Sprachlich auf Augenhöhe – Warum gendergerechte Sprache einen Unterschied macht

Wenn Sie nach berühmten Wissenschaftlern gefragt werden, an wen denken Sie? Vielleicht an die Physiker Albert Einstein oder Stephen Hawking, den Naturforscher Charles Darwin oder den Mitbegründer der Mikrobiologie Robert Koch? Was passiert allerdings, wenn Sie nach berühmten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern gefragt werden? Tauchen in Ihrer Aufzählung dann vielleicht die Physikerin und Chemikerin Marie Curie, die britische Mathematikerin aus dem 19. Jahrhundert Ada Lovelace oder die britische Verhaltens- und Primatenforscherin Jane Goodall auf?

Dieser Denkanstoß basiert auf einem inzwischen vielfach wiederholten Experiment: Eine Versuchsgruppe wird nach berühmten Politikern, Sportlern, Schriftstellern, Malern usw. gefragt, eine weitere Gruppe nach berühmten Politikerinnen und Politikern, Sportlerinnen und Sportlern, Schriftstellerinnen und Schriftstellern, Malerinnen und Malern usw. Die Ergebnisse zeigen: In der zweiten Gruppe gibt es bis zu einem Drittel mehr Nennungen von Frauen als in der ersten Gruppe. Zu einem ähnlichen Ergebnis kam eine aktuelle Studie Ende 2020.

Menschen aller Geschlechter sprachlich sichtbar machen

Was bedeuten diese Ergebnisse für unseren alltäglichen Sprachgebrauch? Ein Sprachgebrauch, der alle Menschen – unabhängig von ihrem Geschlecht – einbezieht, schafft Visibilität und beeinflusst unsere Denkmuster. Gegenderte Sprache ist ein Schritt auf dem Weg hin zu einer Gesellschaft, in der sich alle ihre Mitglieder gleichermaßen gesehen und angenommen fühlen.

Dennoch ist Gendern noch lange nicht gang und gäbe in unserer Gesellschaft. Viel zu häufig wird weiterhin die männliche Substantivform genutzt, um Personen beiderlei Geschlechts zu bezeichnen (sogenanntes „generisches Maskulinum“). Das beeinträchtigt den gedanklichen Einbezug von Frauen, wie die Sozialpsychologinnen Dagmar Stahlberg und Sabine Sczesny 2001 in einem wissenschaftlichen Papier schilderten. Sie kamen zu dem Ergebnis: Was als „generisches Maskulinum“ bezeichnet wird, wird in Wirklichkeit nicht allgemein oder geschlechtsneutral gelesen. Es wird überwiegend als männlich gelesen.

Welche Wirkung hingegen geschlechtergerechte Sprache auf unser aller Denken und Bewusstsein hat, zeigt sich bereits bei Kindern: So können sich Mädchen eher vorstellen, typisch männlich konnotierte Berufe zu ergreifen, wenn diese geschlechtergerecht bezeichnet werden. In einer Gesellschaft, die sich zunehmend ihrer Stereotypen bewusst zu werden versucht, hilft eine inklusive Sprache, diskriminierende Denkmuster aufzuzeigen und zu durchbrechen.

Inklusive Sprache als Zeichen gelebter Diversität – auch in Unternehmen

Zu wirklich gelebter Diversität – einem Ziel, dem sich viele Unternehmen verschrieben haben – gehört es auch, Menschen aller Geschlechteridentitäten gleichermaßen anzusprechen. Innovation und Kreativität leben von Teammitgliedern mit individuellen Ansichten und unterschiedlichen Erfahrungshintergründen. Das manifestiert sich auch durch mehr Frauen in Führungspositionen, eine Belegschaft mit vielfältigen sozialen, religiösen und ethnischen Hintergründen sowie junge Nachwuchskräfte.

Der Weg hin zu einem vielfältig besetzten Unternehmen ist ein langer Prozess, der in der Regel gezielte firmeninternen Maßnahmen und Reformen erfordert. Hierbei stellt gendergerechte Sprache einen Baustein einer inklusiveren Unternehmenskultur dar, in der sich aktuelle und potenzielle Teammitglieder willkommen fühlen. Damit zeigen Unternehmen nicht nur nach innen und außen Haltung in wichtigen Diversitätsfragen, sondern sie demonstrieren auch, dass Vielfalt sowie Geschlechtergerechtigkeit aktiv bei ihnen gelebt werden.

Doch gendergerechte Sprache – so wie andere unternehmensinterne Diversitätsbemühungen auch – sollten nie nur Lippenbekenntnisse sein. Unternehmen, die sich reflektiert mit ihren Sprachgewohnheiten auseinandersetzen, sollten sich gleichzeitig die Unternehmenswerte ansehen, die einer solchen Sprachpraxis zugrunde liegen. Nur so kann ein nachhaltiger und authentischer Unternehmenswandel angestoßen werden.

Gendergerechte Sprache ist Haltungssache

Die Einführung gendergerechter Sprache ist ein Schritt auf dem Weg zu einem langfristigen Transformationsprozess. Ziel dieser Reise sollte es sein, alteingefahrene Denkmuster zu hinterfragen sowie das Zusammengehörigkeitsgefühl und die Diversität in einem Unternehmen zu stärken.

Um den eigenen Sprachgebrauch zu diversifizieren, muss die Bereitschaft bestehen, sich zu reflektieren und einen kritischen Blick nicht nur auf den gesellschaftlichen Diskurs zu werfen, sondern auch auf das eigene Unternehmen. Das erfordert Haltung, aber auch Offenheit und Flexibilität.

Bestimmt ist eine solche sprachliche Umstellung nicht immer leicht, aber es muss auch nicht von Anfang an perfekt sein. Die Umstellung auf gendergerechte Sprache ist ein kontinuierlicher Lernprozess für alle Kolleg:innen, der auch neue Anknüpfungspunkte für regelmäßigen Austausch zu Geschlechtergleichberechtigung, zu Stereotypen und Diversität im Alltag gibt.

Von einem solchen Austausch kann jede Gemeinschaft – ob Unternehmen oder nicht – profitieren. Denn erst durch das Handeln wird Sprache verinnerlicht – und gelernt, was funktioniert und was nicht.

Unterstützung beim Entscheidungsfindungsprozess

Wir als Kommunikator:innen arbeiten tagtäglich mit Sprache und sind uns bewusst, welchen Einfluss sie auf das Denken der Menschen schaffen kann. Unser Team begleitet Kunden auf ihrem Weg hin zu geschlechtergerechter Sprache – ob sie dabei erst ganz am Anfang stehen oder schon weiter fortgeschritten sind.

Unsere Expertise in diesem Bereich haben wir exklusiv in einem Whitepaper zusammengefasst. Darin stellen wir die gängigsten Formen des Genderns vor, beleuchten deren Vor- und Nachteile und gehen auf Fragen und Best Practices zum Thema gendergerechte Sprache ein. Dieses Whitepaper steht unter diesem Link zum Download bereit.

Das kostenlose Whitepaper bietet Entscheider:innen wertvolle Orientierungshilfen und Hintergrundinformationen, um das Thema im eigenen Unternehmen anzustoßen. Zudem finden Sie auf unserem Blog eine Checkliste, was Unternehmen beachten müssen, wenn sie geschlechtergerechte Sprache einführen möchten.

Selbstverständlich stehen wir aber auch für eine individuelle Beratung zur Verfügung. Kontaktieren Sie dafür gerne Heike Schubert, General Manager in unserem Münchener A+P Büro.

Social Media

Blog Podcast

Blog

Informationen landen direkt in Ihrem Posteingang.

Registrieren Sie sich noch heute.