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Willkommen auf unserem Blog! Hier berichten wir über Kommunikation, Kreativität, multimediale Inhalte, digitale Strategien und unsere Arbeit bei Allison + Partners.

25 NOVEMBER 2020 //     

Journalistisches Arbeiten in der Pandemie

Zwischen Home-Office, Kurzarbeit und Online-Messen hatten Journalisten in den letzten Monaten einiges zu tun, um ihren Betrieb aufrecht zu erhalten und dennoch pünktlich ihre Ausgaben in den Druck zu bringen. Wir haben uns einmal umgehört, wie die Fachjournalisten in Deutschland die Covid-19-Pandemie und die damit einhergehenden Veränderungen in ihrem Arbeitsalltag erlebt haben.

Home-Office ist die neue Normalität

Für die meisten Journalisten bedeutete die Pandemie ein unerwartet schneller Wechsel in das Home-Office. Auch wenn dies erst einmal ein organisatorisches Neuorientieren erforderte, war die Umstellung für die meisten Journalisten kein großes Hindernis.

Viele von ihnen waren es ohnehin bereits gewohnt, teilweise aus der Ferne zu arbeiten und das technische Set-Up wie etwa ein VPN-Zugang dafür bereits vorhanden oder leicht hinzuzufügen. Gerade für freie Journalisten, gab es kaum Umstellungen in dieser Zeit. Tatsächlich kann das Home-Office ein idealer Ort sein, um sich zurückzuziehen und ganz fokussiert und unterbrechungsfrei an einem Text zu arbeiten – etwas, das in einem Büro oft nicht so leicht zu schaffen ist.

Auf der anderen Seite ist ein Magazin, eine Zeitung oder eine Online-Publikation immer ein Gemeinschaftswerk und bedarf guter Teamarbeit. Funktionierende und effiziente Prozesse einzuführen, in denen ein Team auch über Distanz exzellent zusammenarbeiten kann, ist nicht so selbstverständlich wie es auf den ersten Blick scheint.

Gerade wenn man Aufgaben im Blick behalten, die Fertigstellung von Texten kontrollieren oder einfach nur die Stimmung im Team abgreifen möchte, braucht man mehr als nur ein Trello-Board oder einen Teams-Kanal. Es geht darum, eine neue Kultur zu schaffen, um die Umstellung von Präsenzarbeit im Büro auf Remote-Arbeit über digitale Kanäle auch in der Art und Weise des Zusammenarbeitens zu vollziehen. Ob das SCRUM-inspirierte tägliche Stand-Up-Meetings sind oder gemeinsame Video-Chat-Mittagspausen. Hier experimentieren Redaktionen noch genauso wie andere Teams und Unternehmen auch.

Neue Prozesse und Zeit, Grundsätzliches zu überdenken

Remote Work bringt neue Modelle des Arbeitens mit sich: flexiblere Zeiteinteilung, mehr Kommunikation über digitale Kanäle und mehr Selbstständigkeit. Journalisten haben gemerkt, dass manche Neuerungen sogar besser funktionieren als mit traditionellen Arbeitsweisen – zum Beispiel die Besprechung von Layouts über einen geteilten Bildschirm im Video-Chat.

Andreas Frank ist freier Journalist für eine Reihe von Tech-Publikationen und arbeitet seit mehr als zwei Jahren von Portugal aus. Für ihn hat sich in der Pandemie kaum etwas bei der Zusammenarbeit mit seinen Auftraggebern geändert. Er sieht die Chance, dass das Experiment Home-Office im großen Stil mehr Offenheit und Flexibilität in Bezug auf Remote-Work mit sich bringt: „Ich hoffe, dass Hersteller und Agenturen durch die Pandemie erkennen, dass die Arbeit im Home-Office und zum Teil auch im Ausland mehr zur Normalität werden wird und dass sie sie mehr unterstützen.“

Manche Redaktionen haben die Zeit des Lockdowns sogar dazu genutzt, um noch einmal einen Schritt zurückzutreten und geplante Veränderungen zügiger umzusetzen. „Bei MM Maschinenmarkt arbeiten wir schon länger an einer Neuausrichtung des gesamten Magazins. Die Zeit des Lockdowns haben wir genutzt, um dieses aufwendige Projekt konzentrierter umzusetzen – mit neu konzipierten Fokusthemen, einer höheren journalistischen Qualität und einer noch stärkeren Konzentration auf den Nutzwert für unsere Leser,“ berichtet die Redakteurin Stefanie Michel vom Wandel in ihrer Redaktion.

Menschlichkeit über Digitale Kanäle? Ein Experiment

Doch obwohl die Redaktionen die Umstellung gut gemeistert haben, gibt es doch etwas, das allen fehlt: der ungezwungene und persönliche Austausch auf einer menschlichen Ebene. Das persönliche Gespräch mit Herstellern und Experten ist in den meisten Fällen mehr als nur ein reiner Austausch von Fakten. Man kommuniziert auf vielen Ebenen und kommt leichter in ein Gespräch, das über Produktdetails hinausgeht.

Diese menschliche Komponente ist auch ein wesentlicher Erfolgsfaktor für Branchenevents wie Messen oder Tagungen. Ein gemeinsames Mittagessen oder ein kurzer Austausch vor bzw. nach einer Session mit Sprechern, Experten von Unternehmen oder auch Journalistenkollegen ist meist ebenso viel – wenn nicht mehr – wert als das offizielle Programm. Doch Networking um digitale Events herum, etwa Twitter-Streams, Kommentarspalten oder Foren, bietet nicht dieselbe Erfahrung wie ein Gespräch von Angesicht zu Angesicht.

„Vieles lässt sich online und digital abbilden – menschliche Nähe und der direkte Kontakt sind aber durch nichts zu ersetzen“, fasst es Timo Schurwanz, Redakteur bei der Computer Bild, passend zusammen.

Raum für neue Formate und Ideen

Nichtsdestotrotz sind digitale Events bis auf Weiteres die beste Möglichkeit, Informationen auf direktem Weg auszutauschen und „von Angesicht zu Angesicht“ zu sprechen. Verlagshäuser und Publikationen bieten mittlerweile eine Vielzahl an Möglichkeiten in diesem Bereich an: vom Webinar über Round Tables bis hin zu virtuellen Messen und Tagungen. Neue Technik macht es möglich – aber auch die Offenheit der Redaktionen, neue Wege zu gehen und alternative Formen des Zusammenkommens auszuprobieren. Und das Wagnis zahlt sich aus. Viele Unternehmen nutzen bereits die Möglichkeit, durch virtuelle Events auf ihre Zielgruppe zuzugehen.

Heißt das, dass der Print-Bereich durch die Pandemie an Relevanz verliert und zurückgehen wird, wie wir es bereits in anderen Ländern wie UK oder USA gesehen haben? Hier sind sich die Journalisten einig: Print ist weiterhin wichtig und gefragt. Nach wie vor ist die Druckpublikation ein wesentlicher Kern ihrer Arbeit und dies wird auch über die Pandemie hinweg weitergetragen.

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