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Willkommen auf unserem Blog! Hier berichten wir über Kommunikation, Kreativität, multimediale Inhalte, digitale Strategien und unsere Arbeit bei Allison + Partners.

1 AUGUST 2018 //     

Ein Leuchtturm in der stürmischen Brandung

Oder wie es ist, der einzige Mann im Team zu sein.

Manchmal würde ich in der Arbeit gerne über Frauen reden, oder über Fußball, oder wie geil es ist, dass mein bester Kumpel letztes Wochenende eine halbe Flasche Jack Daniels getrunken hat (und ich vielleicht auch) und wir erst um 8 Uhr morgens vom Feiern heimgekommen sind. Und ich würde am Arbeitsplatz auch gerne mal kreatives Chaos herrschen lassen und nach mehreren Schlucken kohlensäurehaltiger Getränke herzhaft rülpsen – aber mit einem Büro voller Frauen kommt das schätzungsweise eher nicht ganz so optimal an.


Also?

Deshalb reiße ich mich zusammen – bzw. tue ich das überhaupt? Oder versuche ich vielleicht, den gehobenen gesellschaftlichen Ansprüchen der Frauenwelt bei uns im Büro zu genügen? Oder – und jetzt kommt die traurige Wahrheit – merke ich, dass das, was mir meine Kolleginnen tagtäglich vorleben, eigentlich ziemlich nahe am Idealzustand des miteinander Arbeitens ist?

In unserem Büro herrscht ein Klima der Sorgfalt, Achtsamkeit, Freundlichkeit und des gesunden Essens (meistens). Und alle sind so unglaublich ordentlich. Ich komme mir zeitweise so vor, als würde ich als Steinzeitmensch in einer hypermodernen Hochkultur leben und hätte als Mann die gesellschaftskonventionellen Entwicklungen der letzten 43 Jahrhunderte verpasst.

Meine Kolleginnen merken das auch. Aber sie tun so, als wäre ich „eine“ von Ihnen – sie versuchen lediglich, mich mit verschiedenen Methoden in die richtige Richtung zu stupsen, um mich und meine männlichen Einflüsse unschädlich zu machen.

„Wie wäre es denn mit…?“

Wobei das jetzt natürlich auch wieder nicht stimmt. Denn Sie sind einfach nur hilfsbereit – und wollen mir mein Arbeitsleben durch ihre weiblichen Tipps und Tricks erleichtern. Und ich? Ich tue zwar immer so, als ich würde ich das nur belächeln – aber in Wirklichkeit bin ich unendlich dankbar für jede einzelne Hilfestellung und sauge diese geradezu in mich auf.

Deshalb führe ich jetzt beispielsweise einen Kalender. Mit Farbsystem. Und drei Spalten. Eine Spalte für Termine, eine Spalte für To Do’s und eine Spalte für Notizen. Das wurde mir so beigebracht („Stefan, wir glauben ein Kalender würde dir nicht schaden“, „Probiere das doch mal so wie wir das machen“). Als ich mir kurze Zeit später den Kalender gekauft habe, habe ich mich gefühlt als würde ich mit diesem Kaufgeschäft der Verkäuferin zeitgleich meinen letzten verbliebenen Rest roher Männlichkeit aushändigen.

Diese Vermutung hat sich nicht bestätigt. Ich bin dadurch einfach nur ordentlicher geworden. Und strukturierter.


Und so verhält es sich mit vielen anderen Dingen auch. Bisweilen fühle ich mich fast sogar sozial gebildet. Auch wenn ich vor meinen Kumpels mit dem Farbsystem im handschriftlich geführten Kalender wohl eher nicht prahlen kann – aber ich muss einsehen, dass ich mittlerweile erleuchteter bin als sie.

Vorsicht: Tränendrüsen-Fazit Incoming

Kurzum, ich bin mir ziemlich sicher, dass mir nichts besseres hätte passieren können – als diese ehrlicherweise grandiosen Kolleginnen. Und inzwischen habe ich mich mit mir selbst auf folgendes Fazit geeinigt: Sie machen mich nicht weiblicher (und berauben mich auch nicht meiner Männlichkeit) – sondern sie machen mich einfach nur besser. Als PR-Manager und auch als Mensch.

Wobei mir dieses gefühlsduselige Fazit jetzt fast schon bisschen zu weiblich ist….

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