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Willkommen auf unserem Blog! Hier berichten wir über Kommunikation, Kreativität, multimediale Inhalte, digitale Strategien und unsere Arbeit bei Allison + Partners.

31 JULY 2019 //     

Der Umgang mit kulturellen Fettnäpfchen oder die Rettung der Titanic vor kulturellen Eisbergen

In Zeiten der Globalisierung wird Interkulturelle Kompetenz immer wichtiger. Um im geschäftlichen Umfeld international erfolgreich zu sein, ist es wichtig, Menschen aus anderen Kulturkreisen auf Augenhöhe zu begegnen. Wer nicht souverän auf Andersartigkeit reagiert oder sich der jeweiligen Kultur nicht adäquat anpassen kann, tritt mit Sicherheit in eine Reihe kultureller Fettnäpfchen. Dabei ist es durchaus vermeidbar, sein Gegenüber mit anderen kulturellen Wurzeln bloßzustellen, zu brüskieren oder – im harmlosesten Fall – lediglich zu belustigen.

Was genau bedeutet Kultur?

Um angemessen mit kulturellen Gegebenheiten umgehen zu können, empfiehlt es sich, sich zunächst bewusst zu machen, was den jeweiligen Kulturkreis ausmacht und welche Besonderheiten dieser aufweist. Das ist gar nicht so einfach, wie man zunächst annehmen mag.

Das Konzept „Kultur“ kann man sich wie einen Eisberg im Meer vorstellen: Auffällige landestypische Merkmale wie Sprache, Essgewohnheiten und Spezialitäten, Kunst, Literatur, Musik, Tänze und Religion türmen sich wahrhaftig und gut sichtbar vor einem auf. So, als könnte man mit seiner Titanic direkt darauf zusteuern und das Monstrum zunächst aus der Ferne, dann auch ganz mutig aus der Nähe betrachten.

Sollte man jedoch planen, am Eisberg anzulegen und ihn zu begehen, muss man sich dessen bewusst sein, dass der größte Teil unter Wasser liegt und Ausmaße annehmen kann, die über der Wasseroberfläche nicht sichtbar sind. Manche dieser Eisberge erstrecken sich über eine unvorstellbare Breite und weisen teilweise spitze Ecken und scharfe Kanten auf. Mutige, jedoch unerfahrene Seefahrer geraten in Gefahr, den Rumpf ihrer Titanic nachhaltig zu beschädigen oder diese durch einen besonders unangemessenen Fauxpas sogar komplett zu versenken.

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Sicheres Anlegen am Eisberg erfordert Vorbereitung

Die Analogie des Eisbergs zeigt, dass es nicht gerade sinnvoll ist, mit seiner Titanic unvorbereitet und volle Kraft voraus darauf zuzufahren. Um das Schiff nicht in Gefahr zu bringen, die interkulturelle Begegnung also nicht peinlich enden zu lassen, empfiehlt es sich, sich auf das Kommende vorzubereiten.

Am besten gelingt dies, indem man in sicherem Abstand den Anker wirft und in Taucherausrüstung die unter Wasser liegenden Eismassen begutachtet. Auf diese Art kann man ganz nah heranschwimmen und die verborgene Basis der sichtbaren Eisbergspitze untersuchen. Tief unten trifft man auf historische Hintergründe der entsprechenden Kultur und findet interessante Zusammenhänge.

Es wird plötzlich klar, welche Einstellungen, sozialen Regeln, Führungsstile, interpersonellen Umgangsformen, soziale Rollen, Werte und Normen, aber auch Kommunikationsstile, Körpersprache, Schönheitsideale und vieles mehr unter der sichtbaren Oberfläche schlummern. So ist es in manchen Kulturkreisen im Gegensatz zu unserem beispielsweise völlig legitim, andere unverblümt nach ihrem Einkommen zu fragen.  Außerdem können durch den Tauchgang interessante, bisher unbekannte, kulturelle Verbindungen mit angrenzenden Eisbergen zu Tage treten. Er ermöglicht also einen tiefen Einblick in nicht-manifeste Kulturbestandteile.

Sicheres Anlegen am Eisberg

Auf Basis dieser Erkenntnisse kann sodann eine Seekarte mit dem idealen Fahrweg angefertigt werden und sogar ein besonders passender Anlegepunkt, beispielsweise ein in diesem Kulturkreis unverfängliches Small-Talk-Thema, am Eisberg identifiziert werden. Es empfiehlt sich, eine Stelle zu wählen, an der der Unterbau keine scharfen Kanten, also potenzielle Fettnäpfchen, aufweist. Die durch den Tauchgang gewonnenen Einsichten in die kulturelle Basis sowie die unsichtbaren Kulturbestandteile bieten eine umfangreiche Hilfestellung für ein mögliches kultursensibles Handlungsrepertoire.

Auf dieser Basis ist es dann nicht mehr schwer, die nötige Strategie für die interkulturelle Begegnung auszuwählen. Einem geübten Taucher und Eiskletterer fällt es mit zunehmender Erfahrung übrigens immer leichter, seine Titanic mühelos durch arktische Meere zu steuern. Irgendwann kann er dann sogar komplett auf vorbereitende Tauchgänge verzichten und sich ganz auf seine Expertise sowie sein Gefühl im Umgang mit fremden Kulturkreisen verlassen.

Eine lustige interkulturelle Erfahrung zum Schluss

Während meines fast fünfjährigen Auslandsaufenthalts in Shanghai hatte ich immer wieder amüsante interkulturelle Begegnungen. So wurde ich in der chinesischen Außenstelle eines großen deutschen Unternehmens beispielsweise mit einem für chinesische Verhältnisse beleibten Mitarbeiter bekannt gemacht. Er wurde mir mit dem Namen ‚Pang Zi‘ vorgestellt, was so viel bedeutet wie ‚Dickerchen‘. In Deutschland wäre dieser Spitzname ein schwerer Mobbing-Fall, in China hingegen ist der Träger des Namens stolz darauf, dass er es sich finanziell leisten kann, übergewichtig zu sein und nicht, wie viele Chinesen während der Kulturrevolution, hungern muss.

 Stephanie Thoma

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